Am Donnerstag den 27. März 1997 war es dann so weit. Schwer beladen mit Instrumenten, Uniformen und sonstigem Reisegepäck nahmen wir an diesem Abend Abschied von zu Hause und fuhren in Richtung Ungarn. Auf der lange dauernden Reise durch die Nacht wurde die Gelegenheit benutzt, zu lesen, zu jassen, Filme anzuschauen und zu diskutieren. Gegen Mitternacht ist im Car die Nachtruhe eingekehrt und wer konnte, hat sich ein paar wenige Stunden Schlaf gegönnt. Kurz vor der ungarischen Grenze machten wir morgens um 6.00 Uhr einen Zwischenhalt, um ein Morgenessen einzunehmen.
Nach weiteren drei Stunden Fahrt erreichten wir Budapest, wo uns Robert Hecker, der Pastor der EMK-Gemeinde Szolnok, in Empfang nahm. Er erzählte uns auf der abenteuerlichen Stadtrundfahrt mit unserem Doppelstockcar und den tiefliegenden Brücken Budapests und der an das Mittagessen anschliessenden Fahrt nach Szolnok vieles über die Geschichte, die Kultur, die Wirtschaft und das Volk seines Landes.
In Szolnok angekommen bezogen wir im Hotel unsere Zimmer und nach einer kurzen Erfrischungspause bereiteten wir uns auf unser erstes Konzert vor. Dank der guten Werbung für unser Konzert durch Robert Hecker durften wir vor einem beinahe vollen Saal musizieren. Sogar das Lokalfernsehen von Szolnok bekundete Interesse an unserem Auftritt. Robert Hecker führte unsere Zuhörer durch das Konzert, was uns Gelegenheit gab, erste Bekanntschaft mit der ungarischen Sprache zu machen; für uns ein Buch mit sieben Siegeln. Wir vertrauten unserem Ansager voll und ganz und schlossen uns dem herzhaften Lachen unseres Publikums einfach achselzuckend an. Nach dem Konzert nahmen wir im Hotel unser Nachtessen ein und alle waren froh, die nächste Nacht in einem Hotelbett schlafen zu dürfen. Doch nicht alle konnten ungestört schlafen. Rolf und Mario hatten während der Nacht ungebetenen Besuch, der sich in der Zimmernummer geirrt hatte.
Ungewöhlich früh begrüsste uns am nächsten Morgen die Sonne, denn in Ungarn, das 11 Längengrade östlicher liegt als die Schweiz, beginnt der Tag früher. Das reichhaltige Frühstücksbuffet stärkte uns für den bevorstehenden Ausflug in den Nationalpark. Die Kutschenfahrt übers Land mit durchbrennenden Pferden und platzenden Reifen war für uns als an das Reisen im klimatisierten Car gewohnte Reisegesellschaft eine willkommene Abwechslung. Eindrücklich waren die Weite und Ebenheit des Landes, der Stier mit seinem Riesengeweih, die Wasserbüffel und die Vorstelllung der Pferdehirten.
An diesem Tag freuten wir uns alle auf das typisch ungarische Mittagessen. Doch leider waren wir etwas enttäuscht, lediglich ein Schweinsschnitzel mit Pommes Frites aufgetischt zu erhalten. Vielleicht ist es typisch ungarisch, dass man diese bei uns bekannte Speise kalt einnimmt. Von dieser Ausnahme abgesehen, haben wir jedoch in Ungarn immer und überall vorzüglich gegessen. Etwas im Verzug mit unserem Zeitplan machten wir uns auf den Weg nach Mözetur. Dank des ansprechenden Vorkonzertes des Jugendblasorchesters der Musikschule von Mözetur durften wir an diesem Abend vor grossem und musikbegeistertem Publikum auftreten. Wieder zurück in unserem Hotel in Szolnok haben wir das Abendessen genossen. Einige von uns vergnügten sich anschliessend zu später Stunde im Thermalbad des Hotels.
Nach einer infolge der Umstellung auf Sommerzeit etwas kurzen Nachtruhe, fuhren wir am Ostersonntag nach Abony. Um Leute auf unser dortiges Konzert aufmerksam zu machen, hatten wir vor der Sporthalle bei eisiger Kälte und starkem Wind drei Stücke gespielt. Während das Publikum gespannt unseren Darbietungen zuhörte, machte sich in der Band bei einigen Mitspielern der durch Carfahrt und Zeitumstellung verursachte Schlafmangel bemerkbar. Unsere Aufmerksamkeit liess zu wünschen übrig. Sämi soll während des Euphoniumsolos sogar ein paar Takte eingeschlafen sein.
Ostern ist in Ungarn das Familienfest. Szolnok war am Nachmittag deshalb auch wie ausgestorben. Lediglich ein paar Spaziergänger, der Brass Band Posaunenchor Flaach und lärmende Trabis belebten die Strassen Szoloks an diesem Sonntagnachmittag. Restaurants schienen keine offen zu haben. Erst nach langen Suchen hatten wir auf unserem Stadtbummel ein Kaffee gefunden. Als Abschluss unserer Reise nach Ungarn durften wir gemeinsam mit der EMK-Gemeinde Szolnok das Geheimnis unserers Glaubens, die Auferstehung Jesu Christi, feiern. Nach einem erneut reichhaltigen Nachtessen hiess es, von Szolnok Abschied zu nehmen und sich im Car auf eine lange Reise einzurichten. Dem Komet Hale-Bopp nach Westen folgend fuhren wir über Budapest und Wien zurück nach Flaach, wo wir uns nach einem Frühstückshalt in der Nähe von München früher als erwartet um die Mittagszeit ankamen.
Die Ungarnreise wird uns allen in guter Erinnerung bleiben. Es war für uns alle ein grosses Erlebnis erfahren zu dürfen, wie der Glaube an Jesus Christus und Musik Menschen über Landes- und Sprachgrenzen hinweg verbinden.
Mario Foppa
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